Auschwitz - der größte Friedhof auf der Welt

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Jul 21, 2019 01:46
Auschwitz - der größte Friedhof auf der Welt

18. Juli 2019

Wenn du Korrekturen hinzufügen möchtest, musst du den ganzen Eintrag nicht überarbeiten. Ich schätze jede Korrektur. Ich weiß, es ist ein langer Aufsatz :)

Dieser Eintrag handelt von einem sensiblen Thema.

Während des Zweiten Weltkriegs begingen die Nazis zahlreiche Gräueltaten gegen die ganze Menschheit. Sie töteten über eine Million Juden an einem einzigen Ort⁠—dem Konzentrationslager Auschwitz. Heute haben wir diesen Ort besucht, um Ehrfurcht vor den Toten zu zeigen und zu versichern, dass ihre Leiden nie vergessen werden. Fast jeder lernte über den Holocaust in der Schule und hat eine Ahnung über die Gräueltaten, zu denen es dort gekommen ist. Trotzdem ist es völlig anders, den Ort des Konzentrationslagers selbst zu besuchen und diese Schrecken persönlich zu erfahren. Es ist unmöglich, selbst einen Bruchteil ihrer furchtbaren Erfahrungen zu begreifen, aber wir mussten es auf jeden Fall versuchen, die Opfer zu gedenken und ihnen den Respekt zu erweisen, den sie verdient haben. Mit einer besseren Kenntnis der schlimmsten der Taten der Menschheit kann man die menschliche Gesellschaft und ihr Verhalten besser verstehen. Ich hoffe, dass Staatsoberhäupter, Politiker und Philosophen das Ausmaß dieser Tragödie erkennen, so dass sie die Gewalt und den Schaden, zu der der Mensch fähig ist, erkennen können und diese Phänomene in der Zukunft verhindern können.
Wir verließen das Hotel in Kraków um 8 Uhr. Im Bus schauten wir uns ein Video über Auschwitz an. Es handelte von der allgemeinen Geschichte des Konzentrationslagers und den Taten, die darin stattfanden. Davor kannte ich nur die wesentlichen geschichtlichen Fakten des Orts—die Völker, die dort verfolgt wurden; die Lebensbedingungen der Gefangenen; der Zeitraum, in dem das KZ aktiv war. Trotzdem erkannte ich die Lebensbedingungen im KZ zum ersten Mal beim Anschauen dieses Videos klar. Ich sah Videoclips abgemagerter Babys und Fotos großer Leiden. Ich sah Menschen, die vor Hunger starben. Diese Bilder haben mich daran erinnert, wie schrecklich der Holocaust war und wie sinnlos die Menschen sich untereinander verhalten können. Es gab keinen Grund, der das Quälen der Juden durch die Nazis rechtfertigen könnte, aber sie taten es dennoch zehn Jahre lang und niemand hatte sie bis 1945 erfolgreich aufgehalten. Nachdem ich mir das Video angesehen hatte, hatte ich wirklich Angst, das KZ zu besuchen.
Wir besuchten zuerst Auschwitz I, das erste Konzentrationslager in Auschwitz. Es wurde ursprünglich gebaut, um polnische politische Gefangene unterzubringen. Rudolf Höss hat den Standort nach einer langen Suche ausgewählt und wurde danach Kommandant des Konzentrationslagers. Dieses Lager ist kleiner als das bekanntere KZ Auschwitz-Birkenau, das zwei oder drei Kilometer davon entfernt ist. Als wir ankamen, bemerkte ich sofort die große Anzahl von Touristen auf dem Parkplatz. Ich hatte vermutet, dass es außer uns noch einige andere Besucher geben würde, aber es gab hunderte Menschen dort. Zum Glück waren die meisten Touristen respektvoll, aber einige von ihnen nahmen unangemessene Fotos auf oder trug unangemessene Kleidung. Im Allgemeinen erschwerte die Anzahl von Touristen, dass ich den Ort geeignet überlege und geistig verarbeite.
In Auschwitz I bestanden die meisten Gebäude aus Ziegelstein. Abgesehen von den Drahtzäunen sah mir das Lager anfangs wirklich wie ein altes Dorf aus. Die hohen Bäume, die die Straßen entlang wuchsen, die Backsteingebäude und die Sonne, die an diesem Tag schien, waren sehr gegensätzlich zu den Schrecken, die in den Gebäuden stattgefunden hatten. Aber drinnen ist alles ganz anders.
Wir besuchten mehrere Gebäude in Auschwitz I. Unser Reiseführer erklärte uns im Funksprechgerät die Geschichte des Konzentrationslagers. An den Wänden gab es Fotos und Artefakte. Er hat uns über vieles informiert und es war mehr, als ich derzeit verarbeiten könnte, also erinnere ich mich nicht an alle Einzelheiten. Weiterhin mussten wir uns ziemlich schnell durch die Gebäude bewegen, weil es so viele Touristen gab und ansonsten würde es keinen Platz geben, für alle durch jedes Gebäude zu gehen. Ich fühle mich, dass es nicht genug Zeit gab, über die Themen ausreichend nachzudenken. Dennoch gibt es einige Ausstellungsstücke und Tatsachen, die mir besonders wichtig schienen oder an die ich mich besonders erinnerte.
Bei der Ankunft in Auschwitz mussten die Gefangenen ihre Besitztümer abgeben. Alles, was ihnen früher gehört hatte, wurde in „Kanada“ gelegt. Die Nazis sagten ihnen, dass sie ihre Besitztümer wieder bekommen würden, nachdem sie mit ihrer Arbeit im KZ fertig wurden. Manche Gefangenen glaubten anfangs den Spruch „Arbeit Macht Frei“, der auf einem Zeichen über den Eingang des Lagers geschrieben wurde. Trotzdem war dieses Versprechen ganz falsch. Die Nazis verkauften den größten Teil des Zeuges der Juden. Im Auschwitzmuseum bleiben noch einige Sachen, die den Juden im KZ früher gehört hatten. Es gibt ein Ausstellungsstück, mit riesigen Stapel von Kochgeschirr, Schuhen, Reisekoffern usw. Als sie ins Konzentrationslager kamen, mussten die Gefangenen ihre Haare rasieren lassen. Dann benutzten die Nazis die Haare der Frauen, um Teppiche, Socken und Matratzen zu herstellen. Es gibt auch ein Zimmer, in dem liegt ein enormer Stapel Haare der Frauen in Auschwitz, die für diese Zwecke wahrscheinlich benutzt werden hätte. Es ist unglaublich, dass die Menschen selbst ihre eigene Haare nicht behalten konnten und es ist so ekelhaft, dass die Nazis die Haare so benutzten. Das war unbedingt eine der überraschendsten Ausstellungsstücke des Museums. Diese Ausstellungsstücke zeigten mir, wie schrecklich die Bedingungen in Auschwitz wirklich waren. Die Nazis nahmen die grundsätzlichsten Besitztümer der Juden und ihre Würde damit.
Es gab ein anderes Ausstellungsstück mit Fotos von jeden Gefangener, der in Auschwitz ging. Die Nazis nahmen Fotos nur von manchen Gefangenen auf und die meisten der ursprünglichen Fotos wurden bisher verloren, aber es bleibt noch hunderte Fotos an den Wänden im Auschwitzmuseum. Ein Foto wurde direkt nach der Ankunft eines neuen Gefangenen aufgenommen, also waren sie noch nicht so abgemagert. Trotzdem kann man in ihren Gesichtern sehen, dass sie von den Schrecken, die sie im KZ erfahren werden, schon wussten. Ich hatte keine Ahnung, dass die Nazis so viele Fotos von ihren Gefangenen aufgenommen hatten, sogar wenn die Gefangenen in den Fotos nur einen kleinen Bruchteil der Opfer insgesamt darstellen. All ihre Köpfe waren rasiert und sie trugen Gefängnisanzüge. Diese Fotos machten mich sehr traurig.
Insbesondere haben diese Ausstellungsstücke mich gemacht, um die Menschheit jedes Gefangener, der in Auschwitz unterbracht wurde, zu erkennen. Sie haben mich auch gezeigt, wie die Leben der Juden gestohlen wurden. Die Nazis quälten sie und behielten sie in überfüllten Gefängnisse. Sie konnten nicht in die Toilette gehen und sie erhielten kaum die Hälfte der ausreichenden Menge Nahrung für sie. Wenn ein Nazi sah, dass jemand nicht mehr arbeiten konnte oder sehr krank war, würde er ihn in eine besondere kleine Gefängniszelle bewegen, worin der Gefangener während mehreren Tagen ohne Nahrung auf ihren Tod warten musste, bis es genügende Gefangener in der Zelle gab, den Ofen zu füllen und sie alle gleichzeitig zu töten. Schließlich erhielte jeder einen schmerzhaften Tod und sein Körper wurde verbrennt.
Auschwitz II (Birkenau) ist kein Museum sondern die Ruinen vom wahren Konzentrationslager. Unser Reiseführer sagte uns, dass die Nazis bis der Zeit der Herstellung von Auschwitz-Birkenau gelernt hatten, wie ein „effizientes“ Konzentrationslager zu bauen und zu führen. Weshalb ist Auschwitz-Birkenau nur ein riesigen Raster von niedrigen Gebäude, die aus Ziegelstein an der linken Seite und Holz an der rechten Seite bestehen. Die meisten Gebäude aus Holz wurden entfernt, um Material für verschiedene Unterschlupfe in Warszawa zu bekommen. Es gibt eine Eisenbahn durch den Mittel des Lagers, auf dem die Züge die Juden nach Auschwitz brachten. Am Ende der Bahn gibt es die Ruinen von den Öfen und ein Denkmal den Juden, die im Lager starben, gewidmet. Angesichts der Größe des Lagers ist es fast unmöglich zu glauben, dass der ganze Ort für das Quälen und Ermorden der Juden benutzt wurde. Es würde mehr wie eine Sammlung Lagerhäuser aussehen, außer dass es so viele Drahtzäune und Kamine gibt, dass dieser Zweck keinen Sinn machen würde. Die Juden wurden in kleinen Viehwaggons transportiert und nachdem sie ins Lager ankamen, die Nazis würden sie laut Geschlecht, Alter und Gesundheit trennen und dann etwa 75% der ankommenden Gefangenen im Öfen töten. Die Nazis würden den Gefangenen falsche Hoffnung immer geben—bevor sie in den Ofen gingen, würden ihnen die Nazis sagen, ihre Kleidung in einem besonderen Ort aufzuhängen, um sie nach ihrer „Dusche“ zurückzuholen.
Während unseres Besuchs bei Auschwitz lernte ich über zwei Gruppen Gefangenen, von denen ich davor nicht wusste. Das Sonderkommando war eine besondere Gruppe Gefangenen in Auschwitz, die mehr Macht und wichtigere Fähigkeiten als die anderen Gefangenen hatten. Diese Gruppe bestand aus gesunden jungen männlichen Gefangenen, die bestimmte Tätigkeiten für die Nazis machen konnten. Die Mitglieder dieser Gruppe empfing mehr Nahrung und die Nazis behandelten ihnen besser als die anderen Gefangenen. Die Kapos waren eine andere Gruppe Gefangenen, die versicherte, dass die anderen Gefangenen außer dem KZ nicht entkommen würden und dass sie sich gut benahmen. Die Kapos sollten sich bei den SS-Mitarbeiter melden, wenn ein Gefangener sich schlecht benommen hatte und dann würde der Gefangener bestraft werden. Ich wurde vor diesen Rollen überrascht. Ich hatte mir nie daran gedacht, dass die Nazis die Gefangenen so zwingen würden, ihr Vertrauen untereinander zu zerstören. Ich vermute, es stimmt, dass die Nazis es tun wollten, weil wenn die Gefangenen kein Vertrauen untereinander hatten, dann wäre es für sie viel schwerer, außer dem KZ zu entkommen oder sonst gemeinsame Kraft aufzubauen. So konnten die Nazis Kontrolle über die Juden behalten und das KZ leichter führen. Dennoch finde ich es furchtbar, dass ein Gefangener einen Kollegen bei der Nazi Behörden melden könnte und noch schlimmer, dass das einen echten Job wäre.
Unser Reiseführer zeigte uns ein paar Fotos, die von den Gefangenen selbst aufgenommen wurden. Diese Fotos zeigten die Verbrennung der Körper, die aus dem Ofen entfernt wurden, nachdem die Menschen darin starben. Es gibt kaum Fotos, die die Gefangenen aufnahmen, weil es verboten war. Um hunderte Juden im Ofen zu töten brauchten die Nazis nur eins oder zwei Stunden. Ich fand es schrecklich, dass die Nazis den größten Teil der Gefangenen sofort nach ihrer Ankunft im KZ töteten. Andererseits kann man auch betonen, je länger ein Gefangener im Konzentrationslager am Leben blieb, je mehr er erleiden musste.
Ich machte kaum Fotos bei Auschwitz. Der Reiseführer hat uns das Fotografieren genehmigt, aber angesichts der Ereignisse, zu denen es dort gekommen ist, wollte ich es nicht. Jetzt wünsche ich, ich hätte mehr fotografiert, um jedes Stück des Lagers weiter im Gedächtnis zu behalten und es niemals zu vergessen. Bei meinem Besuch lernte ich heute, dass einige der ersten Menschen, die im Auschwitzmuseum und -denkmal arbeiteten, Überlebende des Lagers selbst waren. Das hat mich einerseits überrascht, aber andererseits verstehe ich, sie wollten wahrscheinlich, dass jeder über ihr Leiden erfahren kann und dass die Welt sich immer daran erinnert. Letztendlich blieben wir nur dreieinhalb Stunden lang in Auschwitz und ich glaube, das ist natürlich nicht genug Zeit, um das Leiden von Millionen Menschen während eines Zeitraums von zehn Jahren zu verstehen.
Vor ein Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich während meines Lebens Auschwitz besuchen würde.