Es hat sich so ergeben, dass keiner mich in St.

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Jul 29, 2017 17:58 #impbased #mariapetrova
Es hat sich so ergeben, dass keiner mich in St. Petersburg in diesen Tagen erwartet hat, und ich kam an, ohne jemandem etwas zu sagen.

Es ist interessant zu sehen, wie seine Heimatstadt lebt, wenn man nicht mehr ein Teil davon ist. Wenn das Telefon nicht mehr klingelt, wenn man nicht mehr in Eile ist, wenn man hier keine Verpflichtungen mehr hat. Wenn einem kaum gelingt 25 Rubel für eine Busfahrt zu finden, weil man sein Geld eigentlich nicht umzutauschen braucht und wenn man am Handy eine Nachricht über die Tarife in Roaming bekommt.

Sankt Petersburg ist etwas Besonderes. Nicht, weil es meine Heimatstadt ist, sondern weil es ganz anders als die restlichen Städte ist.

Hier fließt die Zeit irgendwie ganz anders: zwischen Winter und Sommer, zwischen der ersten und der letzten U-Bahn, zwischen dem Moment, als die Schloßbrücke beginnt sich auseinander zu bewegen und dem, wenn die ersten Lastkähne beginnen in die Newa einzukehren. Es gibt sowohl Dinge, die sich nie ändern, wie zum Beispiel die regelmäßige Anstreichung des Winterpalastes als auch flüchtige Transformationen, die nur dann einem ins Auge fallen, wenn man nicht mehr etwas lange vertrautes zu erkennen vermag.

Trotz Gerüchten der Sommer in dieser Stadt existiert. Der Sommer unbekannter Ursprung, chaotische, zufällige und unvorhersehbare. +5, +15, +35. Man weiß nie und man ist in jedem Fall nicht bereit. Genauso wie für den Winter. Man verlässt sich einfach auf Glück.

Hier weiß man wirklich, wie es geht, die Sonne zu genießen. Denn morgen wird es wahrscheinlich vorbei sein. Und am nächsten Tag auch. Und noch drei Monate lang.
Wenn der Tag sonnig ist, bedeutet es, man ist nicht in der Lage zu arbeiten. Das Unterbewusstsein pocht darauf, alles hinzuschmeißen und rauszugehen. Man braucht keine Arbeit, man braucht Vitamin D.

Die Stadt hat ihre eigene Musik, aber unterschiedliche für jeden. Straßenmusiker, die Cover von Zoi und "Arija" spielen, der Violinist und Vivaldi, der Trompeter Djadja Mischa auf dem Vosstaniya-Platz. Es gibt jede Menge kleiner Geschichten unter dem grauen Himmel.

Es ist hier gleichermaßen einfach sowohl sehr glücklich und als auch sehr unglücklich zu sein. Es gibt dafür eine Million verschiedener Stimmungen, Wettervarianten, Umgebungen und Situationen. Die Wahl bleibt einem überlassen (c).