Über Serben

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Sep 2, 2017 07:28 #impbased #mariapetrova
Erstens ist Serbien für mich das erste Land, das eine so positive Einstellung zu Russland und eine alles andere als diese zu Amerika hat.
Zweitens verleiht die Phrase "Ich komme aus Russija" (ja, man spricht das so aus) dem Gegenüber ein warmes, freundliches Lächeln.

Die Serben sind überhaupt sehr freundlich. Sie lächeln einander auf der Straße an, lachen ganz laut und lassen sich gerne auf ein Smalltalk ein, auch dann wenn man sich nicht hundert Prozent versteht. Ich glaube, das ist alles, worin der wichtigste visuelle Hauptunterschied zwischen "ihnen" und "uns" besteht.

Manchmal sitze ich draußen, tief in meine eigene Gedanken vergraben, und vergesse für einen Moment komplett, dass ich gerade in Belgrad bin. Und wenn ich meinen Blick auf die Straße werfe, könnte man meinen, ich wäre immer noch irgendwo in Russland. Slawisches Aussehen bleibt slawisch. Das ist ein anderes "Erstens".

Und die wunderhübschesten Modetrends, die den heimatlichen so ähnlich sind: Sandalen mit Socken, Halbschuhe mit Glitzersteinen, kurze Röcke der jeglichen giftigen Farben und ausgedehnte T-Shirts mit der breiten Aufschrift "РОССИЯ" (ich meine natürlich "СРБИЈА"), all das gibt es hier in Massen. Das ist ein anderes "Zweitens".

Im allgemeinen stecht man nur wegen seiner Körpergröße und gegebenenfalls ein paar anderen Parameter heraus.
Damit ihr versteht: meine 1.73 Meter, die daheim als "überdurchschnittlich" gelten, gehen hier nicht mal als "durchschnittlich" durch. Die Konfektionsgrößen sind die entsprechende: Gestern habe ich mir eine Shorts der Größe S gekauft. In Russland würde ich um keinen Preis hineinpassen, auch wenn ich mich vorher in der Vaseline baden würde.

Über die Kommunikation.

Serbisch ist für Russischsprachige intuitiv verständlich und bereitet keine besonderen Komplikationen. Ich war neulich nur von "Integralni keks" verwirrt, was auf Russisch so viel wie "Cookies aus natürlichen Zutaten" bedeutet, ansonsten ist es durchaus möglich, glücklich und sorgenfrei zu leben. Aber Englisch hier wird nun selten benutzt und ist meiner Meinung nicht ganz willkommen. Während der ersten drei Stunden habe ich ehrlich versucht, Englisch zu benutzen. Dann habe ich aufgegeben und angefangen Russisch zu sprechen. Somit wurde alles viel einfacher.

Das Erfolgsgeheimnis ist, den Gesprächspartner in Serbisch zu begrüßen und zu sagen, dass es einem sehr leid tut, aber man kann nur sehr wenig Serbisch, dafür aber sehr gut Russisch. Danach wird er höchstwahrscheinlich euch auf den Schulter klopfen, euch mit dem Gesichtsausdruck "Oh mein Gott. Wem zum Teufel interessiert das?!" anschauen, lächeln und sagen (diesmal laut) so etwas in der Art wie "Macht doch nichts. Wir werden uns schon irgendwie einigen". Ich persönlich führe bereits seit einer Woche ab und zu alle Arten von kulturellen serbisch-russischen Gesprächen in Bäckereien und Läden durch.
Sehr viele von den Einheimischen haben Russisch in der Schule gelernt und sind immer noch in der Lage darin zu kommunizieren. Im Allgemeinen sind Serbisch und Russisch sehr ähnlich und manchmal verstehe ich nicht, ob man mit mir in Serbisch spricht oder bereits ins Russische gewechselt hat, es aber nicht perfekt beherrscht.

Im Allgemeinen sind alle total aufgeschlossen: wenn jemand einen nicht verstehen kann, aber helfen will, wird er alle möglichen Werkzeuge benutzen, um es hinzubekommen und zwar, sein ganzes englisches Vokabular, auch wenn es nur 10 Wörter enthält, Russischkenntnisse, die vielleicht seit Jahren nicht aufgefrischt wurden, die Gestik und einen "Publikumsjoker" (es wird jemand aus der Menschenmenge einbezogen, der übersetzen kann).
Heute wanderte ich mit einem Freund von mir um die Bushaltestelle herum und versuchte herauszufinden, wie man ihn nach Sarajevo zurückschicken könnte. Eine unbekannte Dame hat uns in gebrochenem Englisch erklärt, wo wir hingehen sollen, wo wir uns weitere Informationen holen können, wann und wo die Busse nach Sarajevo und Ljubljana abfahren. Sie wünschte uns viel Glück, teilte mit, dass ihre Mutter aus Bosnien herkommt und es dort sehr schön sei und ging weiter. So oder so, aber eigene Selbstwahrnehmung in einem fremden Land wird durch solche Kleinigkeiten bestimmt. Es war eine Kleinigkeit, aber das war gleichzeitig auch sehr nett von ihr.

Gestern wurde ich gefragt, was mir an Serbien am meisten gefallen würde. "Die Menschen", war meine Antwort. Sie sind so entzückend und irgendwie verständlich. Ein Land mit Seele (c).