Charakterisierung (Herr Krüger)

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Nov 26, 2012 12:23
Dieser Eintrag ist eine Fortsetzung von diesem Eintrag: http://lang-8.com/annette/journals/1785172/%2522Der-Nachbar%2522-von-Wolfgang-Ebert und von diesem: http://lang-8.com/annette/journals/1788196

Charakterisierung (Herr Krüger)

Herr Krüger ist egozentrisch. Er sagt die Namen seiner Frau und seinem Nachbar nie. Er sagt immer „er“ und „sie“.

Er ist von der Situation emotional losgelöst (detached) und spricht darüber als ob es ein viel leichter Problem gibt.

„...und fuchtelte dabei mit einem Brötchen in der Luft herum.“
„...und da sehe ich sie hängen, am Fensterkreuz! Also, ich nehme gleich mein Taschenmesser, schneide sie ab und lege sie hier aufs Sofa, da, wo Sie gerade sitzen. Na ja, da lag sie nun...Sie hat es mit einer gewöhnlichen Wäscheleine getan. Wollen Sie die mal sehen?“

Er isst immer und denkt immer an dem Essen:
„...sagte Herr Krüger, mit vollen Backen kauend.“
„...Er schüttelte den Kopf und führte seinen Becher Kaffee mit beiden Händen zum Mund.“
„...Blicke auf den Tisch, nicht einmal Abendbrot gemacht...“
„Herr Krüger kaute an seinem belegten Brot.“

Er ist unaufmerksam:
„Sie war ganz außer sich! Wir hätten dann nämlich in eine ganz andere Gegend umziehen müssen, und sie wollte doch nicht weg von hier...weiß der Teufel warum!“
„Und dabei hat sie mir doch sonst immer alles gesagt...alles, ich wusste alles von ihr!“ aber er wusste nicht, dass sie unglücklich war.
„Und sie hat sich vorher nicht das geringste anmerken lassen, nicht das geringste!“

Er scheint nicht in Trauer zu sein, will nur jemandem Schuld zuschreiben:
„Schuld an allem sind die Kerle vom Wohnungsamt, die haben sie auf dem Gewissen, das ist klar...Schreiben Sie das ruhig in Ihrer Zeitung, die sollen es lesen, die Herren vom Wohnungsamt!“
„Und vergessen Sie nicht zu schreiben, dass das Wohnungsamt sie auf dem Gewissen hat!“

Er hat seine eigene Ideen, lebt in seiner eigenen Welt und kümmert sich nicht um die Wahrheit oder die Meinungen der Anderen:
„Ich beobachtete Herrn Krüger. Dieser zollte dem Ausfall des anderen wenig Beachtung. Indem er einen Zahnstocher langsam zum Mund führte, beugte er sich mir weit entgegen und sagte mit gedämpfter Stimme: ‚Doch, doch...sie war sehr, sehr glücklich. Ich muss es ja schließlich wissen, ich war doch ihr Mann.“
Er meint, dass es genug sei, verheiratet mit der Frau zu sein und nicht eine echte Beziehungen mit ihr zu haben.