Die ganze Woche bin ich nur damit beschäftigt, Verhandlungen zu füh...

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Jun 24, 2017 05:24 #impbased #mariapetrova
Die ganze Woche bin ich nur damit beschäftigt, Verhandlungen zu führen. In Slowenisch. Angesichts der Tatsache, dass ich die Sprache praktisch nicht kann, ist es eine interessante Erfahrung.

Eigentlich seitdem ich hierher gezogen bin, haben sich meine Sprachgewohnheiten verändert.
Fangen wir damit an, dass ich Russisch momentan kaum benutze. Abgesehen von täglichen fünfminütigen Heimtelefonaten oder etwas verlängerten aber seltenen Skype-Gesprächen. Das ergibt insgesamt ca. zwei Stunden pro Woche.

Ich lebe und arbeite in Englisch. Die Sprache, die ich am öftesten spreche und die für mich zurzeit am wichtigsten ist. Als ich früher durch die Straßen von einer anderen Stadt in einem fremden Land lief, fing mein Ohr instinktiv russisches Reden auf, jetzt reagiere ich gleich auf die englische Sprache. Ich spaziere durch Ljubljana und wenn ich Leute Englisch reden höre, wird mir warm ums Herz.

Als ich gerade in Slowenien angekommen bin, hatte ich einen ehrgeizigen Plan die Grundstufe Slowenisch zu meistern, da ich schon hier bin. Uh-huh.

Ein kleiner Exkurs: im Laufe meines Lebens habe ich vier Fremdsprachen angefangen zu lernen. Zwei von denen spreche ich jetzt fließend, die dritte - auf dem Niveau einer ungebildeten Person, und in der vierten bin ich bloß in der Lage mich vorzustellen und drei Tequila zu bestellen. Das Wichtigste, das ich gelernt habe: um eine Fremdsprache zu beherrschen, muss man entweder im Kindesalter damit anfangen oder ein echtes Bedürfnis danach haben. Der Bedürfnis darf durch was auch immer entstehen, die beste Situation ist aber, wenn die Kenntnisse dieser Sprache, die Grenzen der eigenen Wohlfühlzone bestimmen würden.
Anders gesagt, wenn man wirklich zu verstehen braucht, was um einen herum geschieht und man will auch selber verstanden werden.

In Slowenien gibt es für mich solche Motivation nicht. Überhaupt. Erstens wenn man Russisch oder eine andere slawische Sprache kann, wird man damit überleben können, denn die Morphologie ist ähnlich, das Lesen ist kein Problem, und selbst im schlimmsten Szenario kann man miteinander auskommen. Meine Verhandlungen sind ein Beweis dafür.
Zweitens fast jeder spricht hier Englisch, und nicht nur: Slowenien belegt den dritten Platz unter den EU-Ländern nach der Anzahl von Sprachen, die von ihrer Bevölkerung gesprochen werden.
Genau gemeint der Durchschnittsbürger beherrscht mindestens drei Sprachen. Die am meisten verbreiteten sind Slowenisch, Kroatisch und Englisch. Danach folgen Deutsch, Italienisch und Russisch.

So ich bin schnell zu dem Schluss gekommen, dass ich Slowenisch eigentlich nur dafür brauche würde, um hin und wieder nach dem Weg zu fragen oder einen Kebab ohne Zwiebeln zu bestellen und es wird für mich ausreichend sein, da ich nicht vorhabe, hier für immer zu bleiben. Mal schauen.

Die einzige Kategorie, bei der es ein bisschen schwieriger vorgeht, sind die Rentner. Aber dann lächle ich ihnen zu und wechsle ins Russische. Und in der Regel funktioniert es. Mit dem Rest habe ich keine Probleme (c).