Ein Set von Klischees, das es zu einem russischen Pass gratis dazu gibt

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Jun 21, 2017 06:12 #impbased #mariapetrova
Noch bevor ich Russland für eine unbestimmte Zeit verlassen habe, hatte ich oft mit Stereotypen zu kämpfen, wer ein "Typical Russian" ist, was für eine Persönlihkeut er hat, wie er aussieht, wie er redet und wie er sich verhält.
Nach meiner Abreise wurde es bei mir zu meiner täglichen Routine. Die Routine, die sich allmählich zu einem Reflex entwickelt hat.

Schubladendenken ist teilweise normal. Vorurteile hat ja jeder welche. Ihr habt sie, ich habe sie auch. Einer ist progressiver, der andere ist es weniger, aber das Fundament aus Stahlbeton, das von einem System festgelegt wurde, nicht leicht zu demontieren. Die meisten Leute denken, so wie es ihnen beigebracht wurde, und hier rennen wir uns fest.

Eine andere Sache ist, dass die Rollen sich vertauschen können, und an einem gewissen Zeitpunkt kann jeder zu dem werden, der die Vorurteile der anderen auf seinem eigenen Leib spüren muss. Heute bin ich es.

Jeden Tag wird mir die Frage gestellt, wo ich herkomme. Ich beantworte sie, und weiß bereits, was gleich danach kommen würde.

Wenn ich jedesmal einen Euro bekommen würde, wenn mir jemand sagt, dass ich nicht wie eine Russin ausschaue, dann hätte ich bereits genug Kohle, um eine Wohnung in Moskau zu kaufen. Vielleicht stimmt das wirklich, aber ich bin immerhin in Sankt Petersburg geboren und meine Familie lebt hier seit dem Aufgang des Russischen Kaiserreiches. Mein Familienname ist Petrova. Aber nein, manche Menschen erwarten eine Blondine in Stöckelschuhen mit einer russischen Flagge auf der Brust.

Das nächste Gesprächsthema ist der russische Akzent, den ich nicht besitze, aber die Fähigkeit, Englisch zu sprechen. Das letztere wird von uns nicht erwartet. Das ist nicht ohne Grund, nichtsdestotrotz.

Dann kommen Witze über fake Russian. Ok, gut so. Es ist nicht so lustig, aber, na ja, erträglich.

In der Regel möchte jeder gern über Politik reden. Jeder möchte es, aber ich bin nicht in der Lage, mit jedem darüber zu sprechen.

Ich habe meine eigene Meinung, ihr eure eigene. Ich finde es schön, denen auszutauschen. Es ist interessant, zu diskutieren, was passieren wird und was man vorhersehen kann, im Bezug auf die Wirtschaft und Diplomatie.

Ich finde es nicht so schön, seinen inneren Politologen rauszulassen, sich zur Schau zu stellen, und zu wiederholen, was im Ferneseher gesagt oder im Internet geschrieben wurde. Diese Art von Gesprächen kann ich nicht mehr ertragen und breche sie einfach ab. Fake Russian turn into Rude Russian.

Ehrlich gesagt, die Dämonisierung unseres Vaterlandes von den Medien kommt manchmal so was von senil vor, so dass selbst die hölzernen Köpfe fangen an, sich zu fragen, ob es alles wirklich so wäre.

Das Traurigste ist, dass wir selber daran fleißig arbeiten. Ich würde, zum Beispiel, die Hände denen abreißen, die diese dumme Videos von Autoregistratoren auf Youtube hochladen. Dazu noch mit einer Überschrift "Meanwhile in Russia" und ein paar von Hashtags. Im Ernst, ich bin bereits ziemlich müde allen zu erklären, dass wir nicht wie die Affen unter LSD fahren, und dass so etwas in jedem Land geschieht, aber die zeichnen dann bloß nicht auf.

Manche sind sich aus irgendeinem Grund absolut sicher, dass sie wissen, wie Russland aussieht und was es für ein Ort ist. Und die ganze Gerede zu diesem Thema ist hauptsächlich im bejahenden und nicht in dem fragenden Ton.

Das erstaunt mich am meisten. Ey Mann, ich lebte dort 22 Jahre lang. Ich habe mehr als hundert russische Städte besucht. Und ich bekam nur eine sehr grobe Idee, was für ein Land es ist, aber du erzaehlst es mir gerade so, als ob du fünfzig Jahre lang dort Pilgerwege gegangen bist und von Kaliningrad bis nach Kamtschatka trampelte. Und dann Richtiung Sachalin schwamm.

Wenn man seine internationale Gesprächspartner wirklich überraschen möchte, erzählt ihnen lieber, dass Russland das Jüdisches Autonomes Gebiet beinhaltet, oder dass es in moderner russischen Sprache fast keine expliziten dialektische Unterschiede gibt. Über 700 Kilometer zwischen Moskau und St. Petersburg, die von niemanden als eine seriöse Strecke betrachtet werden. Über den Unterschied zwischen dem Klima in Yakutsk und dem in Krasnodar.
Ja, was auch immer, aber nicht über Wodka und Putin. Über die wird zur Zeit genug geredet (c).
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