Aufzuwachen, zu frühstücken, die frisch gewaschene Wäsche zum Trock...

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Jun 30, 2017 04:30 #impbased #mariapetrova
Aufzuwachen, zu frühstücken, die frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen rauszuhängen. Einen halben Tag mit einem Buch auf der Wand eines alten Schlosses zu verbringen.
Den 19. Oktober, 22 Grad plus in Ljubljana.

Wenn ich etwas in diesem Leben wirklich zu schätzen gelernt habe, dann ist es ein gutes Wetter.
Als eine Person, deren Ontogenese in St. Petersburg verlief, bin ich jedes Mal den Tränen des Glücks nahe, wenn die Sonne rauskommt. Und wenn man über den trockenen Asphalt und nicht über den fragwürdigen grauen Matsch laufen kann, der Schuhe und möglicherweise auch Füße zunichte macht.

Psychologie eines schlechten nördlichen Klimas, die den Südländer sehr schwierig zu erklären ist. Zum Beispiel, warum halte ich es für Frevel, an einem sonnigen Sonntag Zuhause zu bleiben? Das ist ein Reflex. Wo ich herkomme, scheint die Sonne nur noch 60 Tage im Jahr, so wenn der Tag "X" auftritt (und wenn der überhaupt auftritt), muss man sofort aus dem Haus rauslaufen, um die Vitamin D zu tanken, nebenbei seine Kleider vom Leib reißend.

Fast keiner aus meinem lokalen Bekanntenkreis hat je die Temperaturen unter 8 Grad Minus erleben dürfen. Dies bietet eine extra Gelegenheit für interkulturelle Missverständnisse, denn während ich in einem T-Shirt rumlaufe, hat meine portugiesische Freundin Martha bereits einen Mantel und kniehohe Stiefel aus dem Schrank rausgeholt.

Der Herbst ist trocken, warm und schön, auf der Straßen spielen weiterhin die Bands, werden Kastanien verkauft und es ist im Allgemeinen ganz angenehm.
Die Blätter fallen ab und auf den Alpengipfeln ist bereits Schnee zu sehen.
Die Menschen lächeln einem zu und man möchte sich in diese Stadt verlieben, was eigentlich ganz einfach zu sein scheint.
Der Oktober (c).